September 8th, 2008
Reallife vs. Virtualität
Das reale Leben ist anstrengend. Und kompliziert. Und ausserdem überbevölkert.
Kein wunder, das sich viele ins virtuelle flüchten. Man kann alles viel leichter manipulieren, sich selbst, oder eher das virtuelle Abbild von sich selbst, ganz nach belieben anpassen. Lügen ohne jemandem dabei in die Augen sehen zu müssen und wenn es einem zu viel wird, kann man problemlos pausieren oder ganz aussteigen und sich in den Weiten des Internets einen neuen Zufluchtsort suchen.
Die Realität ist dagegen grausam und gemein. Ich kann keine Pause davon machen, wenn mir etwas zu viel wird. Einfach abhauen und mir was neues suchen, gestaltet sich auch als eher schwer und ich habe mit bestimmten Leuten zwangsläufig über längere Zeit hinweg zu tun. Ob ich will, oder nicht. Mich selbst zu verändern ist sehr viel schwerer, als nur das Bild, das andere von mir erhalten, anzupassen. Auf Dauer ist verstellen einfach nicht drin.
Ich kann nicht komplett frei entscheiden, welche Informationen über mich mein Gegenüber erhält. Mein Aussehen, mein Verhalten, mein Aufenthaltsort und wie ich mit anderen umgehe verraten schon ungemein viel über mich.
Wenn ich jemanden verletze, ist es manchmal schwer ihm zukünftig aus dem Weg zu gehen. Teilweise muss ich ihn dabei sogar ansehen und bin später seinen Blicken ausgesetzt.
Ich vermisse mein virtuelles Leben. Realität ist anstrengend. Ich möchte eine Pause. Oder einen temporären Serverwechsel.